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Vom Modellprojekt zum Leitmotiv

Housing First Berlin wächst. Nach dem Ende der Modellprojektphase wurde das Angebot nun mit einem weiteren Standort und weiteren Teammitgliedern ausgebaut. Zur Eröffnungsfeier am 14.10.2022 des neuen Büros in der Samoastraße in Berlin-Wedding kamen viele unterschiedliche Gäste, u.a. auch Bundesbauministerin Klara Geywitz und Berlins Sozialsenatorin Katja Kipping.

Kooperation und „Dranbleiben dürfen“ als Erfolgsfaktoren

Zu Beginn begrüßte Projektleiterin Corinna Müncho die zahlreich erschienenen Gäste. Anschließend sprachen Karen Holzinger von der Berliner Stadtmission und Ingo Bullermann von der Neuen Chance, die Housing First Berlin als Kooperationsprojekt gemeinsam umsetzen. Das Projekt habe nicht nur gezeigt, dass sich der Ansatz Housing First in Berlin erfolgreich umsetzen lässt, sondern auch, was man erreichen kann, wenn man als Träger kooperativ zusammenarbeitet, so Karen Holzinger. Ingo Bullermann bedankte sich bei der ehemaligen Sozialsenatorin Elke Breitenbach: Sie habe einen großen Anteil daran gehabt, dass Housing First Berlin bis heute auf politischer und auf verwaltungstechnischer Ebene so gut unterstützt wird. So war und ist es bis heute möglich, dass der Ansatz in Berlin mit „einer echten Orientierung an den tatsächlichen Bedarfen der Betroffenen umgesetzt werden kann“. Auch Corinna Müncho betonte, dass es die Prozessoffenheit sei, welche den Ansatz Housing First so erfolgreich macht und schloss ihre Ansprache mit den Worten: „Das Dranbleiben dürfen, nichts abbrechen müssen, das ist die Möglichkeit, Verbesserungen behutsam herbeizuführen. Die Biografien der Menschen sind nicht selten gezeichnet von Beziehungsabbrüchen und Beendigungen von Maßnahmen und Aufenthalten. Wir dürfen bleiben, wenn es gewollt ist.“ Dass sie gewollt sind, bestätigten auch Teilnehmende des Projekts, die darüber berichteten, wie ihre Aufnahme bei Housing First Berlin ihre Lebenssituation verändert hat.

Wirkung über Berlin hinaus

Bundesministerin Klara Geywitz und Berlins Sozialsenatorin Katja Kipping betonten in ihren Reden beide die wichtige Rolle des Ansatzes Housing First für die Überwindung von Wohnungslosigkeit auf Landes- und Bundesebene. Klara Geywitz versprach, die soziale Frage des Wohnens auf Bundesebene stärken zu wollen. Dabei sei Housing First ist ein wichtiger Ansatz, „von dem man sich nicht nur in Finnland, sondern vor allem auch in Berlin etwas abgucken kann“. Katja Kipping begrüßte, dass mit dem Ausbau von Housing First Berlin nun auch die Aufnahme von Paaren möglich ist. Bereits wenige Tage zuvor hatte Kipping bei einer Pressekonferenz angekündigt, den Ansatz Housing First zum Leitmotiv in der Überwindung von Wohnungslosigkeit in Berlin machen zu wollen. Housing First Berlin habe „in Wissenschaft, Praxis und Politik Erfolge erzielt, die sich sehen lassen können und die über die Stadtgrenzen hinausstrahlen“.

Pläne für die Zukunft

Im Anschluss kamen die Gäste bei Süßem und Herzhaftem ins Gespräch. Dabei ging es immer wieder auch um die weitere Zukunft von Housing First Berlin. Aktuell ist das Projekt durch eine Zuwendungsfinanzierung verstetigt. Um das Kontingent an Plätzen aber an den tatsächlichen Bedarf anzupassen, braucht es langfristig eine andere Form der Finanzierung. Eine Lösung könnte die Integration in die Regelhilfen §§ 67–69 des SGB XII sein. Dies wäre ein weiterer Meilenstein auf dem Weg vom Modellprojekt zum Leitmotiv.

Zunächst einmal freuen wir uns aber sehr darüber, dass Housing First Berlin zukünftig an zwei Standorten noch mehr Menschen in eigenen Wohnraum bringen kann. Denn für jede einzelne Person, die über Housing First Berlin einen eigenen Mietvertrag unterschreibt und unverbindliche Unterstützung in Anspruch nehmen kann, ist es ein wichtiger Schritt zurück in eine gesicherte und unabhängige Existenz. Außerdem nähern wir uns mit jeder Vermittlung gleichzeitig dem Ziel, Wohnungslosigkeit in Berlin nachhaltig zu beenden.