Kältehilfe 17-18: Eine schwierige Bilanz

In unserer Notübernachtung Rathenower Straße fand am 29. März die Pressekonferenz zum Abschluss der Kältehilfe statt.

Insgesamt über 1.200 Übernachtungsplätze gibt es bis Ende März in der Berliner Kältehilfe, davon mehrere Hundert erstmals verlängert bis Ende April. Die Berliner Kältehilfe leistet in diesem Winter damit mehr als je zuvor. Doch sie bleibt ein Notversorgungssytem, und sie kann viel zu selten die individuelle Situation wohnungsloser Menschen nachhaltig verbessern.

In unserer Notübernachtung halten wir Übernachtungsplätze für sechs Frauen und 31 Männer bereit. Es ist eine Form unbürokratischer Hilfe für Menschen, die auf der Straße leben; sie müssen sich nicht ausweisen oder Anträge stellen, um hier aufgenommen zu werden. Einlass ist abends ab 19.00 Uhr, es gibt ein warmes Abendessen, einen Schlafplatz und morgens ein Frühstück, bevor um 7.30 Uhr alle die Einrichtung wieder verlassen müssen. Man kann duschen und Wäsche waschen. Koordiniert wird die Einrichtung von zwei Sozialarbeiterinnen, die auch die fachliche Anleitung der rund 30 Helferinnen und Helfer übernehmen –zumeist Studierende, aber auch Menschen, die berufstätig oder in Rente sind. Im Vergleich mit anderen Notübernachtungen ist das hier ein relativ überschaubarer Rahmen, viele Gäste kommen regelmäßig, und es gelingt recht gut, zu einem Teil von ihnen einen persönlichen Kontakt aufzubauen So erfahren wir davon, dass der Werdegang in die Obdachlosigkeit in jedem einzelnen Fall anders ist, dass viele vor nicht allzu langer Zeit noch ein bürgerliches Leben geführt haben, und dass die Nutzer und Nutzerinnen der Kältehilfe eine extrem heterogene Gruppe sind.

Die Notübernachtung Rathenower Straße ist eine typische Kältehilfe-Immobilie. Die Räume konnten erst Ende November erstmals als Notübernachtung angedacht werden; es fanden dann die notwendigsten Bauarbeiten statt –u.a. wurde die Fluchttreppe für das Obergeschoss gebaut–; und erst kurz vor Weihnachten konnten wir eröffnen. Da war leider bereits ein Drittel der Saison vorbei, und leider werden diese Räume für die Kältehilfe auch nicht noch einmal zur Verfügung stehen. Solche temporäre Nutzung der Immobilien erfordert von allen Beteiligten der Kältehilfe stets viel Aufwand, Flexibilität und Improvisation. Dafür, dass wir die Rathenower Straße überhaupt nutzen können, bedanken wir uns noch einmal herzlich bei der Gesellschaft für Stadtentwicklung und beim Berliner Immobilienmanagement.